Psychodrama ist die Methode, welche die Wahrheit der Seele durch Handeln erkundet.

J.L. Moreno

Psychodrama und Soziometrie

Psychodrama ist ein von  Jacob Levy Moreno (1889-1974) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickeltes Verfahren, das heute in der Sozialforschung, Psychotherapie, Organisationsberatung und im pädagogischen Bereich Anwendung findet. Die vielfältigen Techniken und Settings eignen sich sowohl für die Arbeit mit Gruppen als auch mit Einzelnen.

 

Ursprünglich bedeutet Psychodrama „Verhaltensweisen in Szene setzen“. Das trifft das Wesen des Verfahrens , in dem Handlungen in Aktion erlebt werden. Nach der Maxime von Moreno „Handeln ist heilender als Reden“, werden Themen und Fragen im psychodramatischen Setting durch szenische Darstellung erschlossen, bearbeitet und anschließend reflektiert. Dabei geht es nicht um künstlerisch gelungene Inszenierungen, sondern um die Vergegenwärtigung von Situationen und Problemen, um diese greifbar zu machen und (neue) Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Mit seiner lösungsorientierten Grundeinstellung fördert das Psychodrama persönliches Wachstum und eignet sich damit zur Gruppen-, Team- und Organisationsentwicklung, sowie zum Einzelcoaching.

 

Ziel psychodramatischer Arbeit ist die Überwindung des Verharrens in alten Mustern, die Fähigkeit zur Verhaltensvariabilität und die Erweiterung des eigenen Rollenrepertoires[1]

 

Zentrale Konzepte des Verfahrens sind Kreativität und Spontanität als Grundlage menschlicher Entwicklung und als Weg zur Problemlösung. Als Spontanität bezeichnet Moreno „eine adäquate Reaktion auf eine neue Situation oder eine neue Reaktion auf eine alte Situation“. In der Spontanitätslage entfaltet sich die Kreativität, aus der neue Lösungswege und Verhaltensweisen entstehen und ausprobiert werden. Das „Neue“ kann dann in realen Situationen integriert werden. Auf diese Weise passiert echte Veränderung im einzelnen Menschen oder in einer Gruppe, einem Team oder einer ganzen Organisation.

 

In einem psychodramatischen Prozess werden neue Rollen und Fähigkeiten trainiert, interpersonelle Kompetenz und Empathie werden verbessert und ein echter Perspektivenwechsel wird ermöglicht. Die realitätsnahe, plastische Darstellung von Situationen, Konflikten, inneren Motiven oder Beziehungskonstellationen führt zu einer Erlebnis- und Ressourcenaktivierung, die zur Problemklärung und -bewältigung beiträgt. In der Aktion werden Ziele ergründet, neue Wege entdeckt und in einem geschützten Rahmen erprobt.

 

Nach der Auffassung von Moreno existiert der Mensch nur als soziales Wesen, daher kommt dem Konzept von Begegnung im Psychodrama eine wichtige Rolle zu. Das Aufeinandertreffen zweier Menschen in der Spontanitätslage wird zu einer Ich-Du Begegnung im Sinne von  Martin Buber. So eignet sich das Verfahren (in der Form von Soziodrama) auch für das Explorieren und Bearbeiten sozialer oder kultureller Themen in einer Gruppe. Im Rahmen von Trainings und Seminaren können soziodramatische Techniken zur Schulung von sozialen Kompetenzen und systemischen Betrachtungsweisen verwendet werden.

 

Im psychodramatischen Arbeiten erfahren die Teilnehmer nicht eine Diskussion oder einen Vortrag, sondern erleben ein Thema in Aktion und werden so nachhaltig zu Mitgestaltern der gewünschten Veränderung.

 

de.wikipedia.org/wiki/Psychodrama

 

[1] Aus: von Ameln, Kramer, Psychodrama: Grundlagen, Springer, Berlin-Heidelberg, 2014 (3. Auflage)